Entenmuscheln

Boje mit Entenmuscheln, gesammelt von Charles Lim Yi Yong, Singapur, 2017.
Mit freundlicher Genehmigung des Johann Jacobs Museums

Was zunächst wie eine moderne Skulptur aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als Boje (aus Styropor). Neben ihrem Zweck erfüllt diese Boje noch eine weitere Funktion: sie bildet das Zuhause von unzähligen Entenmuscheln.
Dazu muss man wissen, dass Entenmuscheln nicht irgendein Getier sind, sondern Geschichte geschrieben haben. Zum einen inspirierten sie Charles Darwins zu seiner Theorie der Evolution. Zum anderen konnten sie den Wettlauf um die globale Seeherrschaft zwischen England und Frankreich entscheiden. Wie man der Boje ansieht, kennt die Entenmuschel kein Erbarmen mit Oberflächen, die unter Wasser liegen. Sie haftet sich mit einer Art Zement an einfach alles, seien es Felsen, Schiffsrümpfe oder eben Bojen. Lösen lässt sich der Zement kaum. Schiffe, die von der Entenmuschel befallen werden, liegen tiefer im Wasser und werden immer manövrierunfähiger – ein gerade bei Kriegs- und Handelsschiffen verheerendes Schicksal.
Clevere Briten aber hatten früh ein Gegenmittel ersonnen: Kupferbeschläge. Giftiges Kupferoxid schreckt die Entenmuschel ab. Die Boje ist ein Mitbringsel von Charles Lim Ye Yong. Sie stammt aus Singapur, dem winzigen Stadtstaat am Eingang der Straße von Malakka, der wichtigsten Schiffspassage zwischen Asien und Europa. Singapur ist eine koloniale Gründung der Briten.