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Mobile Welten

zur Migration von Dingen in transkulturellen Gesellschaften

Unzählige Dinge wandern tagtäglich über den Erdball – sei es als offizielle Handelsware auf riesigen Frachtschiffen, als inoffizielle Handelsware im klandestinen Antiken- und Drogenhandel, als virtuelle Gestalten auf den heimischen Computerbildschirmen oder als Andenken im Gepäck von Tourist_innen und Migrant_innen. Im Verlauf dieser Wanderbewegung überlagern oder durchkreuzen sich die Dinge mit Praktiken, Bedeutungen und ästhetischen Formen unterschiedlichster Herkunft.

Doch was signalisiert das Trikot der kroatischen Nationalmannschaft, wenn es von einem Jungen in Rakka getragen wird? Wie richtet man sich ein auf der Bibby Challenge, einem schwimmenden Containerdorf mitten auf der Elbe vor Övelgönne? Warum findet sich im Haushalt eines Hamburger Vororts eine chinesische Opiumpfeife? Und was erzählt uns eine neolithische Göttinnenfigur aus Mesopotamien über unsere gegenwärtige weltpolitische Lage?

Während der öffentliche Diskurs immer noch mit Fragen nationaler und kultureller Zugehörigkeiten ringt, hat sich unter der Hand also längst eine eigenständige transkulturelle Ordnung der Dinge ausgebildet – und das nicht erst seit den immensen Waren- und Migrationsströmen der letzten Jahrzehnte.

Dieses prekäre, hoch mobile Gemenge ist Schauplatz verschiedenster Aushandlungsprozesse: Während einige Dinge als Insignien kollektiver Identitäten gelten und daher heftige Abwehrreaktionen provozieren können – erinnert sei an das Kopftuch oder den Fanschal –, gibt es eine ganze Reihe von bedeutungsoffenen, ästhetischen Formen, die sich auf vielfältige Weise aneignen und umarbeiten lassen. Dazu gehören Speisen, Melodien (japanischer Bossa Nova beispielsweise) und Muster (wie etwa die industriell hergestellten Kopien traditioneller indischer und indonesischer Textilien durch Paisley und Vlisco) genauso wie Einrichtungsgegenstände (der sogenannte »Perserteppich«) oder Mode (man denke an die kunstvolle Dekonstruktion westlicher und japanischer Kleidung durch Comme des Garçons).

Schließlich umfasst die materielle Kultur noch ein ganzes Arsenal von alltäglichen Materialien und Gebrauchsgegenständen – wie Gummi, Porzellan, Seide oder Jeans – deren transkulturelle Herkünfte selten bedacht, geschweige denn explizit wahrgenommen werden.

All diese Dinge schmuggeln sich in den Alltag ein und krempeln ihn von innen heraus um.  Sie sind also nicht bloße Gegenstände, über die man nach Belieben verfügen kann. Ihre Materialität und ästhetische Anmutung wirkt vielmehr auf die Praktiken, Wahrnehmungsweisen und Selbstverhältnisse ihrer Besitzer_innen zurück. Um diese informellen Formen der Globalisierung zu verstehen, müssen demnach die »migrierenden Dinge« als Vermittler oder Katalysatoren sozialer Prozesse verstanden werden, die aktiv zur Um-Formung von Gesellschaft beitragen.

Dieser Komplexität der Dingwelten geht das Projekt »Mobile Welten« auf unterschiedlichen Ebenen nach:

1.) In einer breit angelegten Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg geht es um nichts weniger als eine neue Museumsordnung: Wie können die überkommenen Abteilungen (wie »antik« und »modern« oder »europäisch« und »asiatisch«) überwunden werden, damit den Dingen Raum gegeben wird für ihr bewegtes Eigenleben?

2.) Mit der Ausstellung ist ein kollaboratives Vermittlungsprogramm verknüpft. Denn wir fragen wir uns, ob nicht auch das Museum, gerade in Sachen transkulturelle Erfahrung, eine Menge von seinem Publikum lernen könnte?

3.) Anhand der Zusammensetzung von Haushalten untersucht ein ethnologisches Forschungsprojekt die materielle Kultur von postmigrantischen Gesellschaften. Dabei zeigt sich, dass selbst die profansten Alltagsdinge niemals nur eine einzige Interpretation zulassen – ihre Bewertung ist stets umstritten und ihr Gebrauch wandelt sich.

  • 27.5.2018
    »Finden & Erfinden«
    Führung der Dingforscher_innen
  • 31.5.2018
    Andreas Reckwitz »Die Kulturalisierung der Politik«
    Gespräch
  • 14.6.2018
    »Amargî« – Das kulturelle Erbe von Rojava
    Vortrag & Führung
  • 21.6.2018
    »ARK//Eine Kiste Platten & eine Kiste Bier mit DIR«
    Führung & Listening Session
  • 28.6.2018
    »Wozu all das«
    Kuratorenführung
  • 5.7.2018
    »Arkestrated Rhythmachine Komplexities«
    Konzert, Lesung & Führung
  • 6.7.2018–7.7.2018
    »Modeschule«
    Workshop
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Dr. Sophia Prinz
Koordinatorin und wissenschaftliche Leitung des Verbundprojekts »Mobile Welten«
prinz@europa-uni.de

Julia Lerch-Zajączkowska
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Ausstellung)
lerch-zajaczkowska@mobile-welten.org

»Mobile Welten« ist eine Kooperation zwischen dem Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in Hamburg, der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), der Goethe-Universität in Frankfurt a.M. sowie der Erich Kästner-Schule in Hamburg-Farmsen. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Johann Jacobs Museum Zürich. Laufzeit: Oktober 2015 – September 2018

Angaben gemäß § 5 TMG

Europa-Universität Viadrina
Kulturwissenschaftliche Fakultät
Vergleichende Kultursoziologie
Große Scharrnstr. 59
15230 Frankfurt (Oder)
https://www.europa-uni.de

Vertreten durch:
Dr. Sophia Prinz
prinz@europa-uni.de
Telefon: +49 335 5534 2932

Verantwortlich für das Design der Website:
Museum für Kunst und Gewerbe
Steintorplatz
20099 Hamburg
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Vertreten durch:
Udo Goerke
udo.goerke@mkg-hamburg.de
Telefon: +49 40 428 134-100

Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV
Dr. Sophia Prinz

Konzept und Produktion: Timo Meisel, Wanda Wieczorek

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